Wissenschaftsjournalist Björn Lohmann Wissenschaft und Technik, Medizin und Umwelt

7Dez/110

Ist das eine zweite Erde?

In 600 Lichtjahren Entfernung haben Astronomen einen Planeten entdeckt, auf dem es Leben geben könnte

Von Björn Lohmann

In 600 Lichtjahren Entfernung dreht er sich um seine Sonne: Kepler-22b, der bislang beste Kandidat für einen erdähnlichen, belebten Planeten. Bereits 2009 entdeckte das Weltraumteleskop „Kepler“ den Planeten, inzwischen haben Astronomen ihn zum dritten Mal vor seiner Sonne vorbeiziehen sehen. Erst dieser Vorgang gilt als Bestätigung, dass es sich bei Kepler-22b wirklich um einen Planeten handelt. Jetzt hat die amerikanische Weltraumbehörde Nasa weitere Details über die mögliche zweite Erde vorgestellt.

22 Grad auf der Oberfläche

Demnach ist der Planet 2,4 Mal so groß wie die Erde und zählt damit zu den sogenannten Supererden. Schwer genug, um eine Atmosphäre an sich zu binden, ist der Planet wohl auch. Kepler-22b ist seinem Zentralgestirn 15 Prozent näher als unsere Erde der Sonne. Die wiederum ist nur geringfügig größer und schwerer als die Sonne von Kepler-22b – und auch ein Viertel heller. Zusammengefasst bedeuten diese Umstände lebensfreundliche 22 Grad auf der Oberfläche des Planeten. Sie bedeuten auch, dass der Planet sich in der Lebenszone seines Sonnensystems befindet. In der Lebenszone ist es möglich, dass ein Planet auf seiner Oberfläche Wasser in flüssigem Zustand besitzt. Die bekannten Daten über Kepler-22b erfüllen alle Voraussetzungen dafür, dass es dort Leben geben könnte – wenn auch nur in mikrobieller Form.

Von einer „signifikanten Entdeckung“ spricht Dominik Bomans, Privatdozent für Astronomie an der Universität Bochum. Gleichzeitig warnt er aber: „Bis zu einer zweiten Erde ist es noch ein weiter Weg.“ Ob es wirklich Wasser gebe, müsse erst einmal nachgewiesen werden, beispielsweise durch spektroskopische Methoden großer Teleskope, mit denen sich chemische Elemente in der Atmosphäre bestimmen lassen. „Das ist für einen Planeten schwierig, aber in einigen Fällen schon gelungen“, erklärt Bomans. Zudem gilt es als wahrscheinlich, dass neben Wasser bestimmte chemische Elemente vorhanden sein müssen, damit Leben entstehen kann. Grundsätzlich wäre es aufgrund der Daten sogar noch möglich, dass Kepler-22b ein winziger Gasplanet sei, quasi ein „Mini-Jupiter“.

Veröffentlicht in: Neue Rhein Zeitung/Neue Ruhr Zeitung

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