Wissenschaftsjournalist Björn Lohmann Wissenschaft und Technik, Medizin und Umwelt

6Aug/110

Tränen im roten Sand

Forscher haben herausgefunden: Auf dem Mars könnte Wasser fließen

Von Björn Lohmann

Es ist der bislang beste Hinweis, dass es auf dem Planeten Mars noch heute fließendes Wasser und damit möglicherweise Leben geben könnte: Forscher der University of Arizona haben gestern im
Fachmagazin Science Aufnahmen veröffentlicht, die der Mars Reconnaissance Orbiter zu verschiedenen Jahreszeiten von Kratern auf dem Mars gemacht hat. Die Bilder von sieben verschiedenen Orten zeigen im Frühling und Sommer des Planeten Streifen an Kraterrändern, die wie Rinnsale aussehen. Auf Aufnahmen während des Mars-Winters tauchen die Muster hingegen nicht auf.

Schon länger vermutet

„Die beste Erklärung, die wir für diese Beobachtung bislang haben, ist der Ausfluss von salzigem Wasser, auch wenn diese Studie das nicht beweist“, sagt Alfred McEwen, der die Untersuchung geleitet hat. Etwas blumiger fasst das der Planetenforscher Oded Aharonson vom California Institute of Technology in Pasadena: „Es ist der beste Beleg, den wir bislang dafür haben, dass auf der Marsoberfläche flüssiges Wasser austritt. Ich würde mein Fahrrad darauf verwetten, vielleicht sogar mein Auto – aber nicht mein Haus.“

Demnach würden die milden Oberflächentemperaturen im Frühling vorhandenes Eis schmelzen lassen. Der Salzgehalt würde dazu führen, dass das Wasser auch unterhalb von null Grad flüssig bliebe, bis schließlich sehr niedrige Temperaturen im Winter das Wasser einfrieren und den Fluss für einige Zeit versiegen lassen. Möglich sei zudem, so McEwen, dass es sich um unterirdische, oberflächennahe Wasserläufe handele, die die Oberfläche verfärben.

Schon länger gehen Experten davon aus, dass einst auf dem Mars Wasser floss. Darauf weisen Strukturen der Oberfläche hin. Auch dass es heute noch Wasser auf dem Mars gibt, war bekannt – allerdings nur in dauerhaft gefrorener Form in den nördlichen Regionen. Der neue Fund kann bedeuten, dass noch immer einfache Lebensformen auf dem Mars existieren. Nach ihnen soll ab August 2012 eine neue Marssonde der US-Raumfahrtbehörde NASA suchen.

Die NASA will sich nach dem Ende des Space-Shuttle-Programms auf die Erforschung des Mars konzentrieren. Das erklärte Ziel ist es, bis 2030 Menschen auf den Roten Planeten zu schicken.

Veröffentlicht in: Neue Rhein Zeitung/Neue Ruhr Zeitung

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