Wissenschaftsjournalist Björn Lohmann Wissenschaft und Technik, Medizin und Umwelt

21Dez/100

Ach, du dicker Hund!

Moderne Lebensumstände lassen Haustiere zunehmen. Das könnte auch für Menschen gelten

Von Björn Lohmann

Schlechte Gene, wenig Bewegung und falsche Ernährung machen dick? Stimmt, aber die Aufzählung ist nicht vollständig, wie amerikanische Forscher anhand von Haus- und Labortieren zeigen konnten. Auch die Lebensumstände der modernen Welt können demnach zu Fettleibigkeit führen.

Die Umwelteinflüsse in einer Industriegesellschaft können bei Mensch und Tier Übergewicht verursachen, schreiben die Forscher um David Allison von der University of Alabama im Fachmagazin „Proceedings of the Royal Society B“. Aufmerksam machte die Wissenschaftler ein Bericht, demzufolge die Seidenäffchen in einer Forschungseinrichtung über die Jahre deutlich dicker geworden waren – ohne ersichtlichen Grund. Daraufhin werteten die Forscher 24 Studien mit insgesamt 20.000 Tieren aus, die in unmittelbarer Nähe des Menschen lebten und dicker geworden waren.

Die Daten umfassten Haustiere wie Hunde und Katzen, Labortiere wie Schimpansen, Makaken und Mäuse und sogar Ratten aus den Straßen von Baltimore. Egal, in welcher Umgebung die Tiere lebten, wie sie sich ernähren und bewegten: Alle Tiere in einer Industriegesellschaft wurden in den letzten Jahrzehnten dicker.

Auch epigenetische Einflüsse auf das Gewicht

Damit stützt die Studie Hinweise aus anderen Untersuchungen, die zeigten, dass Umweltfaktoren auf das Körpergewicht wirken. So können vermutlich bestimmte Viren beim Menschen Fettleibigkeit verursachen. Auch andauerndes Licht steht im Verdacht, dicker zu machen, da bereits kleine Änderungen der Lichtverhältnisse die Ernährungsgewohnheiten beeinflussen.

Weil die Tiere von Generation zu Generation dicker wurden, vermuten die Forscher auch epigenetische Effekte. Dahinter verbergen sich Mechanismen, die aufgrund von Umwelteinflüssen Gene an- oder ausschalten können – und deren Resultat vererbt wird. Ursächlich für diese Veränderungen könnten den Forschern zufolge Stress und veränderte Klimabedingungen sein. Bewegung und kluge Ernährung allein reichten demnach nicht aus, die bevölkerungsweite Gewichtszunahme zu stoppen, schließen die Wissenschaftler.

Veröffentlicht in: NRZ

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