Wissenschaftsjournalist Björn Lohmann Wissenschaft und Technik, Medizin und Umwelt

7Dez/050

In der Sauna kein Steak essen

1744 saßen neun nackte Herren in einem geschlossenen Raum, der sich langsam auf 127 Grad Celsius aufheizte. Einer der Herren, der Arzt Charles Bladgen, hielt in seiner Hand eine Pfanne mit einem rohen Steak. Während das Fleisch nach wenigen Minuten gar war, erfreuten sich die Männer bester Gesundheit. Damals erklärte Bladgen den Unterschied zum Steak mit der „Kraft des Lebensgeistes“, Hitze zu „zerstören“. Heute wissen nicht nur Mediziner, dass der menschliche Körper sich davor schützt, in der Sauna zu verbrennen, indem er schwitzt und die Blutgefäße weitet.

Von Björn Lohmann

In einer normalen Sauna herrschen zwischen 90 und 100 Grad Celsius. Diese Hitze zwingt den Körper, Wärme aus dem Inneren nach außen zu transportieren. Dazu dehnen sich die Blutbahnen und transportieren warmes Blut von den inneren Organen zur Haut. Dort bildet sich Schweiß und verdunstet. Für die Verdunstung benötigt der Schweiß Energie. Diese Energie entnimmt er der Wärme der Haut, die dadurch sich und den Blutstrom abkühlt. Dieser erhöhte Blutfluss trainiert nicht nur die Gefäße, er beschleunigt auch die Erholung gestresster Muskeln und verbessert die Atemleistung. Weil auch der Nasen-Rachen-Raum und die Schleimhäute der Atemwege stärker durchblutet sind, ist dort das Immunsystem aktiver und kann Infekte besser abwehren. Wer einmal pro Woche für zwei bis drei Durchgänge die Sauna nutzt, erkrankt tatsächlich selten an Erkältungen.

Bei maßvoller Anwendung ist die Sauna auch für Schwangere und Kinder gesund. Während der Schwangerschaft wirke sich das Bad in der Wärme positiv auf manche Komplikationen aus, erklärt Rainer Brenke, Arzt für Naturheilverfahren. Der Deutsche Sauna-Bund berichtet sogar, dass laut finnischen Ärzten die Geburt leichter und kürzer werde. Selbst Krankheiten bedeuten nicht immer ein Saunaverbot. Bei Patienten mit chronischer Bronchitis oder Asthma bronchiale erwärmen sich die Atemwege, was das Atmen erleichtert. Auch bei Hautkrankheiten wirkt die Sauna förderlich: Die bessere Durchblutung stärkt den Stoffwechsel, die Haut regeneriert und reinigt sich. Nach vorheriger Absprache mit ihrem Arzt können selbst Diabetiker und viele Herzkranke die Sauna nutzen. Neben den medizinischen Effekten beeinflusst der Saunabesuch auch das allgemeine Wohlbefinden. Die Kombination aus Wärme und Ruhe kann helfen, die winterliche Niedergeschlagenheit zu überwinden und Stress abzubauen.

Die Sauna ist nicht für jeden geeignet

Schädlich ist ein Saunabesuch hingegen bei schwerer Herzschwäche oder sehr hohem Blutdruck. Auch Epileptiker müssen auf die Sauna verzichten, weil dadurch Krampfanfälle ausgelöst werden können. Rheumapatienten dürfen sich der Hitze nur in entzündungsfreien Zeiten aussetzen. Bei akuten Erkrankungen ist es ratsam, das Saunabad auszusetzen, insbesondere bei Fieber oder Entzündungen. Gleiches gilt auch für Erkältungen. Regelmäßige Saunagänge können zwar vorbeugen, aber sind Schnupfen und Husten erst einmal da, würde die Hitze den Kreislauf nur unnötig belasten.

Für die richtige Durchführung gibt es ein entscheidendes Kriterium: das eigene Wohlbefinden. Ob das Bad fünf oder zwanzig Minuten dauert, ob es die unterste oder die oberste Bank sein soll, ob sitzend oder liegend, das entscheidet jeder selbst. Fachleute empfehlen, Saunanutzer sollten am Ende eines Saunagangs ein bis zwei Minuten auf der untersten Bank sitzen, um den Kreislauf nicht zu überlasten. Wichtig für den gesundheitlichen Nutzen ist die anschließende Abkühlung. Um das Herz zu schonen, sollte die eiskalte Dusche vom rechten Fuß her beginnen. Vor der Dusche ist es jedoch ratsam, sich erst einen Moment an der frischen Luft abzukühlen. Am Ende eines Saunabesuchs gilt es, mindestens einen Liter Wasser zu trinken. Zwischen den Saunagängen sollte man weder trinken noch essen. Pfannen mit Steaks sind daher in der Sauna heute eher unüblich.

Veröffentlich in: Stuttgarter Zeitung, Medizin, 27. Dezember 2005

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